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Leben heisst lernen und lernen heisst leben. Wir Menschen lernen nicht nur lesen und schreiben, sondern auch Probleme lösen, Rad fahren oder lieben. Lernen ist ein grundlegender Prozess, der sich nicht aufs Kindesalter beschränkt, sondern uns bis ins hohe Alter beschäftigt.Damit man gut lernen kann, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein. Diese beeinflussen sich wechselseitig und sind gleichermassen wichtig. Diese Interaktionen machen das Lernen zu einem komplexen Gefüge, das recht störungsanfällig sein kann.Störungen können in einem oder mehreren Bereichen auftreten. Sie wirken sich aber immer aufs Ganze aus und führen zu Störungen des gesamten Systems: Folge das Lernen ist erschwert.
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Neuronale Netzwerke werden im Verlauf des Lebens aufgebaut und ermöglichen das Lernen. Neue Tätigkeiten, wiederholt ausgeführt, bauen bis ins hohe Alter neue Synapsen und neue neuronale Netzwerke auf. Um diese zu erhalten, muss man sie nutzen: Use it or lose it! besagt das bekannte Sprichwort. Wir verlernen nicht nur das Klavierspielen, wenn wir es nicht mehr tun, sondern auch das Denken.
Lernen und Gedächtnis gehören eng zusammen. Für die langfristige Speicherung von Inhalten ist der Hippocampus wichtig. Dieser liegt in der Nähe von Regionen, die für Emotionen zuständig sind. Deshalb sind Emotionen für Lernen und Gedächtnis so wichtig.
Die neurobiologische Ebene des Lernens zeigt sich vor allem bei Lernschwierigkeiten deutlich. Wir haben Herzklopfen in einer Prüfung, wir schwitzen oder verlieren unsere Ruhe, werden nervös, wenn uns etwas nicht einfällt. Wir haben Angst oder fühlen uns im Stress. Unsere Gedanken schweifen ab, wir haben Schwierigkeiten, uns zu konzentrieren.
Hinter gewissen Lernschwierigkeiten (z.B. Aufmerksamkeitsstörungen, Legasthenie, Dyskalkulie) stecken oft mangelhafte Hirnfunktionen. Unter ungünstigen neurobiologischen Bedingungen, wie Stress oder Angst, wird das Lernen selbst gestört - vor allem, wenn dies häufig geschieht oder länger andauert (LeDoux, 1998).
SeitenanfangDenken und Emotionen sind untrennbar miteinander verbunden. Emotionen steuern jedes Verhalten, vom Fussballspielen bis hin zu Lernen und Denken in abstraktestem Kontext. Deshalb sind sie sehr wichtige Lernbedingungen.
Ängste können unser Denken und Lernen blockieren. Schulangst, Prüfungsangst oder Leistungsangst, aber auch diffuse Ängste wirken sich hinderlich aus. Das Lernen kann wie ein Seismograph sein: Erschütterungen werden angezeigt, auch wenn das Epizentrum weit entfernt ist.
Die Motivation sich anzustrengen, zu lernen und etwas zu leisten ist nicht bei allen Lernenden immer vorhanden. Aber auch die Motivation, etwas Bestimmtes zu lernen, kann fehlen. Oft sind wir nicht motiviert etwas zu tun, weil es uns nicht liegt, weil es uns schwer fällt, weil unsere Begabung dafür nicht so gross ist. Ich bin beispielsweise schlecht motiviert zum Lesen von technischen Gebrauchsanweisungen - folglich habe ich meist ziemlich grosse Probleme mit Geräten. Da mir Computer-Fachleute oder Handwerker die jeweiligen Probleme abnehmen, ist diese Motivationsstörung nur ärgerlich und teuer, nicht aber wirklich hinderlich. Das wäre anders, wenn ich zu wenig Motivation gehabt hätte, das Lesen und Schreiben zu erlernen oder die Schule gut hinter mich zu bringen. Dann hätte sich mein Leben grundsätzlich anders entwickelt…
Denken und Emotionen sind untrennbar miteinander verbunden. Emotionen steuern jedes Verhalten, vom Fussballspielen bis hin zu Lernen und Denken im abstraktesten Kontext. Deshalb sind sie sehr wichtige Lernbedingungen.
«Lust macht klug, und ohne Lust ist schwer lernen.» so fasst Klein (2002) die Ergebnisse vieler neurowissenschaftlicher Forschungsarbeiten zusammen.
SeitenanfangWir alle haben unsere Begabungen, unsere Stärken und Schwächen. Gardner* unterscheidet nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit achteinhalb verschiedene Begabungen und nennt sie auch Intelligenzen. Für eine erfolgreiche Lebensbewältigung kommen je nach Beruf und Arbeit verschiedene Intelligenzen zum Zug.
Für eine erfolgreiche Schullaufbahn sind vor allem die sprachliche und die logisch-mathematische Begabung wichtig.
Gute logisch-mathematische Fähigkeiten helfen wenig bei der Bewältigung sprachlicher Lernaufgaben. Sie stellen aber für das Erlernen eines technischen Berufes eine wichtige Ressource dar.
Auf der andern Seite sind Kinder mit guten sprachlichen Fähigkeiten in der Lage, selbst komplexe Probleme leicht zu lösen. Sie haben aber Mühe, sich in einer wenig vertrauten Umgebung zu orientieren.Neben dem Blick auf die Begabungsstrukturen ist in den letzten Jahren auch das Lernen selbst untersucht worden. Lern- und Problemlösestrategien wurden analysiert und es stellte sich heraus, dass es neben vielen tauglichen aber auch weniger taugliche gibt. Es ist offenbar so, dass die meisten Menschen ihre Vorliebe für bestimmte Strategien haben. Andererseits gibt es Aufgaben, die bestimmte Strategien erfordern. Oder wie der Volksmund sagt: Viele Wege führen nach Rom! Allerdings (müssen wir beifügen) nicht alle Wege!
Selbststeuerung, Selbstkontrolle, Wissen über das eigene Lernen, Wissen über Aufgaben-Anforderungen (metakognitive Faktoren) sind weitere wichtige Punkte in diesem Modell.Denken und Emotionen sind untrennbar miteinander verbunden. Kognitionen und Lernen sind nicht möglich ohne Emotionen.
SeitenanfangLernen findet immer auch in einer sozialen Welt statt. Diese bestimmt das Lernen ganz entscheidend mit.
Wir lernen am besten, wenn wir uns in unserer Umgebung wohl fühlen. Das zeigen Forschungsarbeiten rund um die Welt. Es lohnt sich deshalb sich zu überlegen, wie man soziale und ökologische Lernbedingungen möglichst gut gestalten kann.
Manche Altersgenossen finden Schüler streberhaft, wenn sie die Hausaufgaben regelmässig und sorgfältig machen. Oft Eltern verstehen nicht genau, was die Schule von ihrem Kind will. Ein Kind hat Mühe mit seiner Lehrerin - und umgekehrt vielleicht auch. Das sind Schwierigkeiten, die das Lernen beeinträchtigen können.
Manchmal ist es gut, sich auf sich selbst zurück zu ziehen und den Lernweg allein zu machen, manchmal kann es hilfreich sein, mit der Hilfe der andern unterwegs zu sein.
Wir wissen heute sehr viel über das Lernen. Aber je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir, dass wir noch wenig wissen. Das Lernen wird durch all unser Nicht-Wissen so spannend wie eine Expedition in ein ziemlich unbekanntes Land. Eine gute Landkarte ist eines der Werkzeuge, die uns helfen, eine interessante Expedition zu machen und ungefähr da anzukommen, wo wir wollen.
Das Lernen ist ein äusserst komplexer Prozess, in dem verschiedene Bedingungen gut zusammenspielen müssen. Nur so hat das Lernen die Chance, einigermassen störungsfrei und gut verlaufen.
Dies geht aber keineswegs bei allen Menschen gleich vor sich. Jeder Mensch lernt ein bisschen anders: Jeder lernende Mensch hat also seine individuelle Lern-Landkarte (Fingerabdruck, von Foerster).
Genauso hat aber auch jeder Lern-Ort seine Lern-Landkarte: Was im Gymnasium von Schülern erwartet wird ist etwas ziemlich anderes, als was im Kindergarten gefordert wird. Auch die Lernplätze Erwachsener unterscheiden sich in ihren Lern-Landkarten erheblich: Denken wir nur an den Arbeitsplatz, an die Universität oder an das Fussballtraining.
Wo Lern-Landkarten einzelner gut zu denjenigen ihrer aktuellen Lern-Orte passen, gibt es natürlich keine Schwierigkeiten. Da läuft es zwar nicht wie von selbst, aber ganz gut. Wo diese Lern-Landkarten schlecht zusammenpassen, entstehen immer Schwierigkeiten, ob wir das wollen oder nicht. Ob wir intelligent sind, vielleicht sogar hochbegabt oder nicht.
Manchmal kann man die Lern-Orte wechseln und den Fussball-Club mit dem Tanzkurs vertauschen. Das geht sogar in manchen Fällen für Schüler auch: ein Jahr früher in die erste Klasse eintreten, eine dritte Klasse überspringen oder zweimal durchlaufen oder von der Realschule in die Sekundarschule oder gar ins Gymnasium wechseln.
Manchmal aber muss man ausharren und stattdessen versuchen, seine Lern-Landkarte zu adaptieren. Und das kann ganz schön anstrengend sein.
Wir lassen uns dabei leiten von unserer inneren Lern-Landkarte. Diese steuert uns - so unbewusst sie uns auch in weiten Teilen ist! Unsere Lern-Landkarte zu entdecken, kann uns helfen, unser Lernen zu verstehen und zu verändern.
Wir orientieren uns im NIL an Gardners Konzept der multiplen Intelligenzen (Gardner: Abschied vom IQ, 1985). Gardner unterscheidet 8 ½ Intelligenzen, die sehr unterschiedliche Bereiche von Intelligenz beschreiben. Man kann einem Menschen nicht gerecht werden, wenn man nur eine Art von Intelligenz nimmt, um ihn zu verstehen.
SeitenanfangDie linguistische Intelligenz umfasst die gesamten sprachlichen Möglichkeiten (aktiver und passiver Wortschatz, mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit, Sprachverständnis). Gemeint ist die Aufnahme, Wiedergabe und kreative Gestaltung von Sprache. Sie ist für einen grossen Teil des Schulerfolgs verantwortlich.
Sie kann im Alltag von Experten (Lehrern, Psychologen, Lerntherapeuten) oder Laien (Eltern) beobachtet werden. Verschiedene Tests können diese Fähigkeiten recht gut erfassen.
Die logisch-mathematische Intelligenz fasst Aufnahme (verstehen), Wiedergabe (lösen von Aufgaben, inkl. Rechnen) und kreative Produktion von logisch-mathematischen Situationen und Aufgaben zusammen. Die logisch-mathematische Intelligenz und Rechenfertigkeiten sind zwei verschiedene Dinge: Man kann mathematisch begabt sein und schlechte Rechenfertigkeiten haben. Dies ist jedoch problematisch, weil in der Regel minimale Rechenfertigkeiten notwendig sind, um zu beweisen, dass man logisch denken kann.
Die logisch-mathematische Intelligenz wird durch die meisten Intelligenztests ganz gut erfasst. Sie ist für den Schulerfolg ebenfalls sehr wichtig.
SeitenanfangDie musikalische Begabung kann in aktiver Beschäftigung mit Musik (selber Musik machen in mehr oder weniger kreativer Weise) oder in mehr passiver Tätigkeit (Musik hören, erkennen) bestehen. Sie umfasst das musikalische Potenzial eines Menschen mit all seinen Möglichkeiten zur Aufnahme (erkennen von Musikinstrumenten, Interpreten, Musikstücken, Tönen, Tonarten), zur Wiedergabe (Musikinstrument spielen) oder zur kreativen Gestaltung von Musik (z.B. komponieren, improvisieren).
Die musikalische Intelligenz kann bis heute nur mit informellen Verfahren erfasst werden, es gibt noch keine Tests dafür. Die Beobachtungen von Bezugspersonen (Musiklehrer, Lehrer, Eltern) sind hier unverzichtbar.
SeitenanfangDie Räumliche Intelligenz meint die Aufnahme räumlicher Zusammenhänge (sehen und verstehen), die Wiedergabe (sich mit räumlichen Gegebenheiten auseinandersetzen können, sich orientieren im Raum) und die kreative Gestaltung räumlicher Gegebenheiten (z.B: tanzen , zeichnen, malen). Die Räumliche Intelligenz ist die Fähigkeit, sich im dreidimensionalen oder/und zweidimensionalen Raum zurechtzufinden. Man kann sich gut räumlich orientieren, findet z.B. Wege in Städten und Häusern, kann ein Blatt Papier räumlich gut gestalten (Schreiben oder Zeichnen).
Teilweise können diese durch Tests erfasst werden, zu einem grossen Teil müssen sie aus Alltagsbobachtungen erschlossen werden.
Diese Intelligenz ist die Fähigkeit, sich zu bewegen und zwar sowohl grossräumig und damit grobmotorisch (z.B. Sport, Ballett), als auch fein- (z.B. werken und basteln) und graphomotorisch (zeichnen und schreiben). Es geht aber auch darum, Bewegungen anderer zu verstehen, voraus zu sehen (Aufnahme körperlich-kinästhetischer Informationen), sie zu imitieren (Wiedergabe von Bewegungen) und selber zu produzieren.
Es gibt verschiedene Testverfahren. Daneben sind natürlich auch Beobachtungen wichtig (Sportlehrer, Trainier, Psychomotoriktherapeuten, Lehrer, Lerntherapeuten).
Die intrapersonale (oder emotionale) Intelligenz meint die Fähigkeit, emotionale Inhalte (Gefühle, Stimmungen) wahr zu nehmen, über sich einiges zu wissen (z.B. seine Hobbies, Interessen zu kennen) und emotional angemessen reagieren zu können.
Gardner meint damit das Wissen über sich selbst und den Umgang damit. Sie reicht von der Aufnahme intrapersonaler Informationen (Selbstwahrnehmung) über die Verarbeitung bis hin zu Verhalten.
Die intrapersonale Intelligenz kann man über die Selbst- und Fremdbeobachtung, über Gespräche (Reflexion) oder durch Tests erfassen. Diese Intelligenz spielt in den gängigen Intelligenz-Testverfahren eine untergeordnete Rolle. Sie ist aber für Lebens- und Schulerfolg wichtig.
SeitenanfangDiese Intelligenz wird häufig als soziale Intelligenz bezeichnet. Gemeint sind damit das Verstehen (Aufnahme von Informationen), die Reaktion und die (kreative) Produktion eigenständigen sozialen Verhaltens. Es ist also eine Fähigkeit, andere und deren Bedürfnisse wahr zu nehmen und auf diese bei Bedarf adäquat einzugehen. Diese Intelligenz ist für Lebenserfolg sehr wichtig.
Die interpersonale Intelligenz kann durch Bezugspersonen recht gut beobachtet werden. Es gibt auch vereinzelt Testverfahren zur Erfassung.
SeitenanfangGemeint sind hier das Interesse und die Fähigkeiten, sich für Zusammenhänge in Natur und Technik zu engagieren. Dazu gehören nach Gardner alle Interessen, Fähigkeiten und Handlungen in diesen Bereichen. Auch diese erfassen wir durch Verhaltensbeobachtungen und Gespräche.
SeitenanfangDiese von Gardner als letzte postulierte Intelligenz umfasst Interesse, Begabung und Beschäftigung mit philosophischen und existenziellen Fragen. Er betrachtet sie bis heute nur als halbe Intelligenz.
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